Von David Schwingen, letzte Aktualisierung am 26.05.2017 um 00:43h

Omaha Beach - Die Schlacht um die Normandie

Colleville-sur-mer liegt an der Perlmuttküste (Côte de Nacre) im Département Calvados. Es ist ein kleines, schönes Dörfchen in der Normandie: Steinhäuser, schmale Straßen und Blumenschmuck am Ortseingang. Wer sich nicht für Geschichte interessiert, wird Colleville "ganz nett" finden. Alle anderen wollen hier hin, denn hier fand die Landung der Alliierten in der Normandie statt.

Omaha Beach heute - Eine wunderschöne Landschaft
Omaha Beach heute - Eine wunderschöne Landschaft - © Copyright: M. Bosse, Bildtitel: Omaha Beach in der Normandie, Lizenz: CC BY-SA 3.0 (Creative Commons)

Colleville-sur-mer: D-Day am Strand

Von Bayeux aus erreicht man Colleville-sur-mer mit dem Auto in 20 Minuten, von Caen sind es knapp 40 Minuten. Collleville-sur-mer ist klein: Gerade mal 189 Menschen wohnen hier. Eine Dünenlandschaft führt zum Strand. Der Strand ist einer der Schönsten an der gesamten Côte de Nacre: Ein breiter, feinsandiger Strand. Idylle pur. Eigentlich.

Panzer vor dem Overlord Museum in Colleville-sur-mer
Panzer vor dem Overlord Museum in Colleville-sur-mer - © Copyright: David Schwingen

Erste Hinweise darauf, dass mit dieser Idylle etwas nicht stimmt, merken Sie auf Ihrer Fahrt hier hin: Vereinzelt sind Panzer und andere Kriegsfahrzeuge am Wegrand ausgestellt, Jeeps mit amerikanischer, britischer oder kanadischer Flagge kommen Ihnen entgegen.

Vielleicht sagt Ihnen Colleville-sur-mer nichts. Das wird sich schlagartig ändern, wenn Sie den Namen Omaha Beach hören.

Colleville-sur-mer ist Teil von Omaha Beach

Omaha Beach ist ein Küstenabschnitt zwischen Colleville-sur-Mer und Saint-Laurent-sur-Mer und war einer der 5 Landungstrände der Alliierten.

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Die Normandie im 2. Weltkrieg

Frankreich war seit Juni 1940 zu großen Teilen von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Küsten Frankreichs waren strategisch sehr wichtig für Hitler. Sie waren Teil des Atlantikwalls, einer fast 2700 Kilometer langen Befestigungslinie, die sich von Norwegen über Frankreich bis hin zur spanischen Grenze erstreckte.

Somit waren auch die Küsten der Normandie im 2. Weltkrieg Teil des Atlantikwalls, den Hitler seit 1942 massiv verstärken ließ. Die deutschen Behörden rekrutierten Tausende von Männern: Freiwillige, Zwangsarbeiter, Juden, Flüchtlinge und Kriegsgefangene, um unter Hochdruck Befestigungsanlagen, Geschützstellungen und Bunker in der Normandie zu bauen.

Hitlers General, Erwin Rommel, befürchtete eine Invasion der Alliierten an den Stränden der Normandie. Dagegen glaubten große Teile der Wehrmacht, dass die Alliierten nicht an den Stränden der Normandie landen würden. Untermauert wurde ihre Theorie dadurch, dass es bereits 1942 eine gescheiterte Invasion der Alliierten in der Normandie gegeben hatte.

Im Rahmen der Operation Jubilee hatten am 19. August 1942 die Alliierten versucht mit 240 Schiffen und 6000 Soldaten die Hafenstadt Dieppe zu befreien. Nachdem diese Operation für die Alliierten in einem Fiasko geendet war, ging die Wehrmacht nun davon aus, dass die Alliierten in der Umgebung von Calais landen würden, da Calais nur 40 Kilometer von der britischen Küste entfernt liegt.

Alliierte beschließen im Dezember 1943 die Operation Overlord

Am 01. Dezember 1943 beschließen auf der Konferenz von Teheran der amerikanische Präsident, Franklin D. Roosevelt, der englische Premierminister, Winston Churchill und der sowjetische Staatschef, Josef Stalin, die Operation Overlord, um Europa von den Nazis zu befreien.

In den Folgemonaten liefen die Vorbereitungen für die Operation Overlord auf Hochtouren.

06. Juni 1944 – Die Landung der Alliierten in der Normandie

Geplant war die Landung der Alliierten für den 05. Juni 1944. Ein schwerer Sturm verhinderte diesen Plan aber.

Für den 06. Juni war eine Wetterbesserung vorhergesagt worden und so lief in der Dämmerung des 06.06 die gewaltigste Landungsoperation aller Zeiten an: Von der Küste Englands starteten an diesem Morgen fast 7.000 Kriegsschiffe und Landungsboote.

An Bord der Schiffe waren rund 130.000 Mann und 20.000 Fahrzeuge, über 11.000 Flugzeuge unterstützen die Invasion aus der Luft.

Ab 06:30h erreichten die Alliierten die Strände der Normandie.

Die Landungsstrände der Normandie

Übersichtskarte auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer über die Landungsstrände der Normandie
Übersichtskarte auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer über die Landungsstrände der Normandie - © Copyright: David Schwingen

Unter den Alliierten war aufgeteilt, welche Truppen wo landen sollten. So landeten die britischen und französischen Truppen an den Küstenabschnitten Sword Beach und Gold Beach, die kanadischen Truppen am Küstenabschnitt Juno Beach und die amerikanischen Truppen an den Küstenabschnitten Omaha Beach und Utah Beach.

Omaha Beach mit hohen Verlusten: Mehr als 20.000 Menschen wurden verletzt oder getötet

An allen Stränden, wo die Alliierten landeten, trafen sie auf den Widerstand der Deutschen, aber nirgendwo trafen die Alliierten auf einen so massiven Widerstand wie an Omaha Beach.

Da dieser Teil des Strandes aus bis zu 30 Meter hohen felsigen Abschnitten besteht, hatte die deutsche Wehrmacht das Gelände massiv befestigen lassen: Bunker und Unterstände auf den Felsen sowie Panzersperren und Minengürtel an den Stränden.

Die alliierten Soldaten waren teilweise noch in ihren Landungsbooten und hatten den Strand nicht einmal betreten und befanden sich zugleich bereits im Kugelhagel. Es kam zu gigantischen Verlusten auf beiden Seiten: Mehr als 10.000 Mann auf der Seite der Alliierten und schätzungsweise 10.000 Mann auf Seite der Deutschen wurden verletzt oder getötet.

Die beiden Filme "Der längste Tag" und der "Der Soldat James Ryan" zeigen eindrucksvoll die blutige Schlacht, die am Omaha Beach stattgefunden hat. Beide Filme können Sie hier kaufen.

Amerikanischer Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer

Der amerikanische Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer an einem nebligen Tag
Amerikanischer Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer - © Copyright: GaramiAA - Fotolia

Oberhalb von Omaha Beach liegt der amerikanische Soldatenfriedhof. Die Soldaten der 1. US-Armee begannen am 08. Juni 1944 dort ihre verstorbenen Kameraden zu beerdigen. Heute ist das "World War II Normandy American Cemetery and Memorial", so der englische Name, der größte amerikanische Soldatenfriedhof in der Normandie. Viele Reihen weißer Steinkreuze stehen geordnet in Reih und Glied und spiegeln das Schicksal von fast 10.000 amerikanischen Soldaten wider, die hier begraben sind.

Bei einem Besuch von Omaha Beach sollte man unbedingt den Soldatenfriedhof besichtigen. Weitere Infos zum amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer finden Sie hier.

Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe

Einer der großen deutschen Soldatenfriedhöfe liegt ca. 20 Minuten entfernt von Colleville-sur-mer. In La Cambe haben 21.000 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhe gefunden.

Weitere Infos zum deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe finden Sie hier.

Omaha Beach heute

Direkt am Strand von Saint-Laurent-sur-Mer befindet sich das "Omaha Beach D-Day Memorial" sowie die Metallskulptur "Les Braves".

Heute ist Omaha Beach eine der großen Sehenswürdigkeiten in der Normandie. Jedes Jahr besuchen die Strände von Omaha Beach fast 3 Millionen Touristen. Schulklassen, Veteranen, und deren Enkelkinder kommen hierhin, aber auch viele Deutsche. Wer denkt, dass man als Deutscher hier nicht willkommen ist, der irrt. Solange man freundlich gestimmt ist, ist man mittlerweile überall in der Normandie ein gern gesehener Gast.

Auch die zahlreichen Museen in der Normandie, die sich dem 2. Weltkrieg annehmen, zeichnen ein sachliches Bild des 2. Weltkriegs. Empfehlenswert finde ich einen Besuch im Overlord Museum, allerdings ist die Ausstellung nur auf französisch bzw. englischer Sprache.

Wer einmal auf historischen Pfaden wandern möchte, der startet vom amerikanischen Soldatenfriedhof aus. Dort gibt es einen Weg direkt runter zum Strand. Von hier aus kann man den ganzen Strand entlang bis zur Metallskulptur in Saint-Laurent-sur-Mer entlang laufen. Die Strecke ist ca. 4 Kilometer lang und man benötigt knapp 40 Minuten. Blendet man einmal kurz die Geschehnisse des 2. Weltkriegs aus, dann ist es eine traumhaft schöne Gegend mit einem wunderschönen Strand.

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