Von David Schwingen, letzte Aktualisierung am 16.07.2017 um 19:11h

Amerikanischer Soldatenfriedhof in der Normandie

Es ist der 6.6.2016. Meine Familie und ich machen Urlaub in der Normandie. Es ist ein nebliger Morgen. Wir möchten in diesem Urlaub einige Sehenswürdigkeiten besichtigen. Dazu gehört auch der amerikanischer Friedhof am Omaha Beach.

Nebel in der Normandie: Amerikanischer Friedhof in der Nähe von Omaha Beach
Nebel in der Normandie: Amerikanischer Friedhof in der Nähe von Omaha Beach - © Copyright: David Schwingen

In der Normandie: Auf den Spuren des 2. Weltkriegs

Mit diesem Nebel ist an einen vergnügten Strandtag nicht zu denken. Daher beschließen wir uns heute auf die Spuren des 2. Weltkriegs zu machen. Wir wollen Omaha Beach, den amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer und den deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe besichtigen.

Amerikanischer Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer am Omaha Beach, Kartenmaterial: Google Maps

Wir tippen "Colleville-sur-mer" ins Navi ein und fahren los. Die Route führt uns vorbei an den schönen Städten Caen und Bayeux. Hinter Bayeux wird es uriger.

Wir durchfahren kleine Dörfer: Schmale Straßen, Steinhäuser mit Hecken und Blumenschmuck am Ortseingang. Nicht in diese Idylle passen Panzer und Armeefahrzeuge, die vereinzelt am Seitenrand stehen. Keine Frage: Wir nähern uns Omaha Beach.


Omaha Beach: Einer der Landungsstrände beim D-Day

Omaha Beach war einer von fünf Landungsstränden beim D-Day, also der Landung der Alliierten in der Normandie. Der Strandabschnitt Omaha Beach ist knapp 10 Kilometer lang und erstreckt sich von Vierville-sur-Mer bis kurz vor Port-en-Bessin-Huppain.

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Am Omaha Beach war der Widerstand der deutschen Wehrmacht besonders groß. Es kam zu tausenden toten Soldaten auf alliierter und deutscher Seite. Oberhalb von Omaha Beach liegt das Dorf Colleville-sur-mer. Hier legten die Soldaten der 1. US-Armee einen Friedhof für ihre gefallenen Landsleute an.

Amerikanischer Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer

Nach knapp eineinhalb Stunden Fahrtzeit erreichen wir den Parkplatz des "Normandy American Cemetery and Memorial", so der offizielle Name. Ein riesiges Gelände für einen Friedhof: Viele Reisebusse stehen hier, aber auch Gruppen von Schulklassen und Veteranen, Ordner weisen den Weg, wo man parken soll.

Amerikanischer Soldatenfriedhof: Einer der Sehenswürdigkeiten in der Normandie

Wir wollen zuerst das Besucherzentrum sehen, was seit 2007 existiert. Jedes Jahr kommen fast eine Million Besucher hierhin, um den Friedhof und das Besucherzentrum zu besichtigen.

Wir stellen uns in die Warteschlange und stellen fest, dass Besucher aus vielen verschiedenen Ländern hier sind: Amerikaner, Engländer, Russen, Deutsche und natürlich auch Franzosen.

Wir durchlaufen die Sicherheitskontrolle. Es ist alles so, wie am Flughafen: Rucksäcke und Taschen werden geröntgt, wir gehen durch einen Metalldetektor. Meine Frau und ich tragen uns ins Besucherbuch ein. Sie fragt mich, was heute für ein Datum ist und ich antworte ihr ganz selbstbewusst: "Der 6.6".

Besucherzentrum des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-mer
Besucherzentrum des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-mer - © Copyright: David Schwingen

Mit dem Aufzug fahren wir ein Stockwerk tiefer, wo sich eine Ausstellung zum Thema D-Day befindet. Wir erreichen einen großen Raum. Menschen sitzen auf Bänken und schauen sich einen Film an, der auf einer großen Leinwand läuft.

Dann sehe ich auf einen der Bänke einen Mann mit einem T-Shirt sitzen. Auf dem Rücken des T-Shirts steht die Aufschrift "NORMANDY LANDING 6-6-1944".

6.6.1944 – Der Tag an dem der D-Day beginnt

"Oh, mein Gott. Ja, klar: Der 6.6.", fällt es mir plötzlich ein. Ein Schauer läuft mir über den Rücken und ich bekomme eine Gänsehaut.

"Ich bin hier an diesem Ort am 6.6. Genau auf den Tag 72 Jahre nach der Landung der Alliierten. Heute vor 72 Jahre starben hier tausende Menschen," denke ich. Aber einen Moment später höre ich mich schon sagen: "Schlimm, dass so viele Menschen hier gestorben sind, aber wie viele Menschen wären wohl noch gestorben, wenn es denn Alliierten nicht gelungen wäre Europa von der schrecklichen Nazi-Herrschaft Hitlers zu befreien."

Ausstellung im Besucherzentrum: Kostenlos und absolut sehenswert

Im Besucherzentrum des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-mer
Im Besucherzentrum des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-mer - © Copyright: David Schwingen

Wir schauen uns die Ausstellung an. Sie ist gut gemacht. Auf der linken Seite des Raums zeigen Infotafeln die dramatischen Stunden bis zur Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie. Vitrinen, Schaukästen und Filme verdeutlichen die Ausstattung und das Leben der Soldaten.

Bei einem Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofs sollte man sich die Ausstellung unbedingt angucken. Übrigens wird keinerlei Eintritt erhoben: Weder für die Besichtigung des Besucherzentrums, noch für den Friedhof. Auch das Parken ist kostenlos. Einziger Wermutstropfen ist, dass die Ausstellung in englischer und französischer Sprache ist und es keine deutsche Übersetzung gibt.

Fast 10.000 Soldaten sind auf dem amerikanischen Friedhof in der Normandie begraben

Nebel in der Normandie: Amerikanischer Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer
Nebel in der Normandie: Amerikanischer Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer - © Copyright: David Schwingen

Am Ende der Ausstellung führt uns die Beschilderung raus auf den eigentlichen Friedhof. Der Nebel ist immer noch da. Wabernde Nebelschwaden ziehen an uns vorbei und auf einmal sehe ich diese schier endlosen Reihen weißer Marmorkreuze. Jedes Kreuz steht für einen Soldaten, der hier seine letzte Ruhe gefunden hat. Insgesamt 9387 Soldaten sind hier begraben und ein Mahnmal erinnert an 1557 vermisste Soldaten.

Der Soldat James Ryan: Friedhof war Drehort

Der Friedhof ist sehr gepflegt. Permanent sind Gärtner unterwegs, um den Rasen zu mähen und neue Blumen zu pflanzen. Die Gräber sind in Planquadrate eingeteilt. Marmorsteine am Wegrand geben Orientierung, wo man sich gerade befindet.

Innenansicht der Kapelle des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-mer
Innenansicht der Kapelle des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-mer - © Copyright: David Schwingen

In der Mitte des Friedhofs befindet sich eine Kapelle, die ansehnlich und ebenfalls sehr gepflegt ist.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Kinofilm "Der Soldat James Ryan"? Die Anfangs- und die Endszene des Films wurden hier auf diesem Soldatenfriedhof gedreht.

2019: 75 Jahre nach dem D-Day

Ich bin froh, dass der Nebel und schlussendlich das Schicksal dafür gesorgt hat, dass ich heute mit meiner Familie hier sein durfte. Im Anschluss daran besuchten wir noch den deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe. Eine Übersicht aller Soldatenfriedhöfe in der Normandie finden Sie hier.

Ich nehme mir vor mit meiner Familie am 6.6.2019 wieder hier zu sein, das wäre dann 75 Jahre nach dem D-Day.

Öffnungszeiten und Adresse des Amerikanischen Soldatenfriedhofs

Der Friedhof ist täglich geöffnet

  • von 09:00 bis 17:00h (im Zeitraum vom 16. September bis 14. April)
  • von 09:00 bis 18:00h (im Zeitraum vom 15. April bis 15. September)

Zwischen dem 25. Dezember und dem 01. Januar ist er geschlossen.

Webcam und Website des amerikanischen Soldatenfriedhofs

Auf der englischsprachigen Website des amerikanischen Soldatenfriedhofs finden Sie weitere Informationen und auch eine Webcam, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Weiterführende Links

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