Von David Schwingen, letzte Aktualisierung am 30.07.2017 um 12:37h

Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe

Es ist der 06.06.2016. Meine Familie und ich machen Urlaub in der Normandie.

Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe (Normandie)
Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe (Normandie) - © Copyright: David Schwingen

Nachdem wir heute bereits den amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-mer und Omaha Beach besucht haben, machen wir uns nun auf den Weg, um den deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe zu besichtigen. Bisher war es den ganzen Tag neblig gewesen, jetzt lässt sich endlich mal die Sonne blicken.

La Cambe – Lage in der Normandie

Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe in der Nähe von Omaha Beach, Kartenmaterial: Google Maps

La Cambe liegt in Frankreich, besser gesagt in der Normandie und gehört zum Département Calvados. Es ist ein kleiner Ort, gerade mal 600 Einwohner leben hier. Er liegt an der viel befahrenen Nationalstraße N13 (französisch: Route nationale), ganz in der Nähe des Küstenabschnitts Omaha Beach, wo am 6.6.1944 die Amerikaner landeten.

Vom schönen Städtchen Isigny-sur-Mer aus erreicht man La Cambe innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto, etwas länger dauert es von Caen aus: Hier beträgt die Fahrzeit knapp 40 Minuten.

La Cambe – eingerahmt von einer großen Mauer aus Basaltsteinen

Als wir ankommen ist es später Nachmittag, kurz vor 17:00h. Die Sonne scheint, ein deutscher Reisebus fährt auf dem Parkplatz an uns vorbei. Wir parken das Auto und sehen zunächst nichts vom Friedhof, sondern eine wuchtige Mauer aus großen Basaltsteinen.

Eingang zum deutschen Friedhof La Cambe - der schmale Eingang ist gewollt
Eingang zum deutschen Friedhof La Cambe - der schmale Eingang ist gewollt - © Copyright: David Schwingen

In der Mitte befindet sich ein kleiner Rundbogen. Das ist der Eingang. Ich wundere über diesen Eingang zu einem Friedhof, denn der Eingang ist gerade so breit, dass eine Person durchgehen kann. Ich frage mich, ob dahinter eine Symbolik steckt.

Der enge Eingang von La Cambe hat einen tieferen Sinn

Wie ich später auf Nachfrage beim "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" erfahre, steckt dahinter tatsächlich ein tieferer Sinn. Die Volksbund-Bauleitung unter dem Chefarchitekten Robert Tischler plante diese Eingangspforte bewusst so. Man wollte erreichen, dass sich Besuchergruppen auftrennen, Gespräche beendet werden und das Gelände einzeln betreten wird.

Tumulus: Ein sechs Meter hohes Hügelgrab

Auf diese Weise legt man den Fokus des Besuchers komplett auf den Friedhof und bringt ihn dazu einen kurzen Moment inne zu halten. Warum das wichtig ist, merke ich wenige Sekunden später.

In der Mitte verläuft ein kleiner Weg geradewegs zu auf einen 6 Meter hohen Hügel. Dort oben auf dem Hügel stehen ein großes Basaltkreuz, links und rechts eingerahmt von zwei großen Statuen. Es ist ein Hügelgrab, auch Tumulus genannt, für 207 unbekannte und 89 identifizierte deutsche Soldaten.

Links und rechts vom Tumulus liegen unzählige Reihen von Grabsteinen auf dem Boden. Unterbrochen wird dies abwechselnd durch Bäume, die Schatten spenden und jeweils 5 Steinkreuze, die aufrecht stehen. Es ist ein riesiges Gelände.

La Cambe – Der größte deutsche Soldatenfriedhof in der Normandie

Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe (Normandie)
Deutscher Soldatenfriedhof in La Cambe (Normandie) - © Copyright: David Schwingen

Knapp 80.000 deutsche Soldaten liegen auf den 6 großen deutschen Friedhöfen in der Normandie begraben. Die meisten davon, nämlich 21.222 Gefallene haben ihre letzte Ruhe in La Cambe gefunden. Somit ist La Cambe der größte deutsche Soldatenfriedhof in der Normandie.

La Cambe ist lebendige Geschichte

Ich habe mich immer für Geschichte interessiert und geglaubt, dass mir der Geschichtsunterricht zu Schulzeiten einen guten Überblick über den 2. Weltkrieg vermittelt hat. Meine Geschichtslehrer mögen mir das bitte verzeihen, aber jetzt merke ich das Geschichtsunterricht mir die Dimensionen des Kriegs nicht so "greifbar" gemacht hat, wie meine heutige D-Day-Tour durch die Normandie.

Grabstein eines Soldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe
Grabstein eines Soldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe - © Copyright: David Schwingen

Ich sehe mir die Namen auf den Grabsteinen und die Daten an. Einige "Nazi-Größen" liegen hier in La Cambe begraben, wie z.B. Michael Wittmann, ein bekannter Panzerkommandant und Mitglied der Leibstandarte SS Adolf Hitlers. Hauptsächlich entdecke ich aber viele Grabsteine von jungen Männern, die nicht älter als 20 Jahre waren.

Zum wiederholten Mal an diesem Tag bekomme ich eine Gänsehaut. Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen La Cambe, aber auch die Soldatenfriedhöfe der Alliierten, besichtigen, um zu sehen, welche Auswirkungen dieser Krieg hervorgebracht hat und um zu verstehen, dass Krieg die schlechteste aller Optionen ist, um Konflikte zu lösen.

Auch wenn die Toten in La Cambe tot sind, hilft dieser Ort sehr Geschichte lebendig zu machen.

Deutscher Friedhof in La Cambe: Erstaunlich gut gepflegt

Was mich an diesem 06.06.2016 sehr erstaunt, ist der gepflegte Zustand des Friedhofs: Mehrere Aufsitzrasenmäher mähen das Gras, die Bäume stehen in Reih und Glied, alles wirkt sehr gepflegt. Wir dürfen nicht vergessen: Wir reden nicht von einem Friedhof in Deutschland, wo Angehörige "mal eben" Blumen vorbeibringen können und das Grab in Ordnung halten können, sondern von einem Friedhof in Frankreich, der sich hunderte Kilometer entfernt von der deutschen Grenze befindet.

Noch erstaunter bin ich bei der Recherche für diesen Artikel, als ich feststelle, dass der Volksbund, ein gemeinnütziger Verein, sich um die Pflege aller deutschen Soldatenfriedhöfe im Ausland kümmert. Dabei ist er auf Spenden und Jugendcamps angewiesen, um den gepflegten Zustand der Friedhöfe aufrecht zu erhalten.

La Cambe: Ursprünglich Kriegsgräberstätte für amerikanische und deutsche Soldaten

Noch während der 2. Weltkrieg tobte, wurden hier amerikanische und deutsche Soldaten beerdigt. Die meisten der hier beigesetzten Soldaten starben während der Landung der Alliierten in der Normandie und den anschließenden Schlachten um die Normandie.

Die Leichen der amerikanischen Soldaten wurden ab 1945 in die USA überführt oder auf den amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer umgebettet. Dadurch wurde La Cambe zu einem Friedhof auf dem ausschließlich deutsche Gefallene liegen. Die Zuständigkeit für La Cambe ging 1954 an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge über. Zu diesem Zeitpunkt waren lediglich 8.000 der fast 22.000 toten Soldaten beigesetzt.

Zitat von Albert Schweitzer auf einem Gedenkstein am deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe: Kriegsgräber sind die großen Prediger des Friedens
Zitat von Albert Schweitzer auf einem Gedenkstein am deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe: Kriegsgräber sind die großen Prediger des Friedens - © Copyright: David Schwingen

Am 21. September 1961 wurde La Cambe dann offiziell als deutsche Kriegsgräberstätte eingeweiht.

Gräbersuche online

Wenn Sie Ahnenforschung betreiben oder das Grab eines Verwandten besuchen möchten, aber nicht wissen, wo Ihre Angehörigen in der Normandie begraben sind, können Sie die Gräbersuche der deutschne Kriegsgräberfürsorge nutzen. Mit etwas Glück werden Sie dort fündig.

Informationszentrum & Friedenspark

Direkt neben dem Friedhof befindet sich ein Informationszentrum und der Friedenspark.

Der Friedenspark ist ein kleiner Park bestehend aus 1200 Ahornbäumen, die durch Baumpatenschaften finanziert wurden und entlang der 1,2 Kilometer langen Zufahrt zum Friedhof gepflanzt wurden. Startpunkt für den Friedenspark ist der Gedenkstein mit einem Zitat von Albert Schweitzer. Ein Zitat, was auch ein passendes Ende für diesen Artikel ist: "Kriegsgräber sind die großen Prediger des Friedens".

Adresse und Öffnungszeiten des deutschen Friedhofs in La Cambe

Cimetière militaire Allemand de La Cambe
14230 La Cambe
Frankreich

Öffnungszeiten:

Täglich 8:00h - 19:00h, an den Wochenenden 9:00h - 19:00h
Vom 15. Oktober bis 31. März schließt der Friedhof um 17:00h.

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