Von David Schwingen, letzte Aktualisierung am 2.05.2017 um 12:09h

Le Havre - Diese Sehenswürdigkeiten sollte man gesehen haben

Im Mai 2000 bin ich zum ersten Mal in Le Havre und finde die Stadt richtig hässlich. 16 Jahre später, im Sommer 20016, bin ich erneut in Le Havre und muss meine Meinung revidieren: Le Havre ist reizvoll und sollte man gesehen haben.

Blick auf den Yachthafen von Le Havre und die Kirche Saint-Joseph, die an einen Leuchtturm erinnert.
Blick auf den Yachthafen von Le Havre und die Kirche Saint-Joseph, die an einen Leuchtturm erinnert. - © Copyright: Marine26

Machen wir uns nichts vor: Normannische Fachwerkhäuser, enge Gassen & romantische Plätzchen wird man in Le Havre nicht finden! Es gibt sie einfach nicht und das hat einen Grund: Le Havre wurde im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört.

Operation Seelöwe & Hitlers Atlantikwall

Hitler und die Wehrmacht verfolgten ab Juli 1940 einen Plan zur Invasion Großbritanniens. Im Rahmen der Operation Seelöwe war vorgesehen, dass deutsche Truppen u.a. von Le Havre aus mit Kriegsschiffen nach Portsmouth und Brighton aufbrechen sollten. 1941 rückte Hitler von den Plänen der Operation Seelöwe wieder ab und befahl stattdessen den Bau des Atlantikwalls.

In der Folge nahmen deutsche Truppen die Stadt wegen ihrem strategisch wichtigen Seehafen ein und bauten sie zur Festung aus, um sie so gegen einen möglichen Angriff zu sichern.

Mehr als 80% aller Gebäude von Le Havre wurden im 2. Weltkrieg zerstört

Obwohl deutsche Truppen im Juni 1944 bereits die entscheidende Schlacht an den Stränden der Normandie verloren hatten, hielten sie dennoch Le Havre weiterhin besetzt. In der Folge bombardierten die Alliierten im September 1944 acht Tage lang das Stadtzentrum von Le Havre.

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Insgesamt starben bei der Bombardierung von Le Havre mehr als 5000 Menschen, 80 Prozent der Stadt wurden zerstört. Historische Gebäude aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg sucht man heute meist vergeblich.

Viele Menschen waren obdachlos

Nach dem Krieg drängte die Zeit! Die komplette Stadt war fast vollständig zerstört, viele Menschen hatten ihre Heimat verloren und waren obdachlos. Baumaterialien waren Mangelware.

Deshalb machte man aus der Not eine Tugend: Man engagierte den berühmten Architekten und Städteplaner Auguste Perret. Er galt schon damals als Meister des Betonbaus. Perret als Stadtplaner und ein sechzigköpfiges Team von Architekten waren verantwortlich für den Wiederaufbau der Stadt.

Auf einer Fläche von 250 Hektar schufen sie ein neues Stadtzentrum für 60.000 Menschen. Man achtete auf Geometrie, alles ist rechtwinklig und gleichmäßig. Durch große Bauten, lange breite Boulevards und zwischendurch immer wieder großzügige Flächen gelang ihnen ein gutes Verhältnis zwischen bebautem und unbebautem Raum.

Das Stadtzentrum ist die eigentliche Sehenswürdigkeit

Blick auf das Stadtzentrum von Le Havre. Im Hintergrund: Kreuzfahrtschiffe vor Anker
Blick auf das Stadtzentrum von Le Havre. Im Hintergrund: Kreuzfahrtschiffe vor Anker - © Copyright: Marine26

Fragt man sich heute, was die Hauptsehenswürdigkeit von Le Havre ist, ist die Antwort klar: Das heutige Stadtzentrum. Auch wenn der Anblick auf den ersten Blick ungewöhnlich ist, so ist die Architektur dennoch gelungen.

Heute ist Le Havre eine Stadt, die geometrischen Gesetzen folgt. Lange, große Straßenzüge und gleichmäßige, rechtwinklige Bauten dominieren das Stadtbild. Das ist durchaus so gewollt.

Le Havre: UNESCO-Weltkulturerbe seit 2005

2005 würdigte die UNESCO die Arbeit von Auguste Perret als Beispiel für außergewöhnliche Nachkriegsarchitektur und nahm das Stadtensemble von Le Havre in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Leuchtturm, Empire State Building und Kirche in einem Gebäude

Innenansicht der Kirche Saint Joseph in Le Havre
Innenansicht der Kirche Saint Joseph in Le Havre - © Copyright: David Schwingen

Bei einem Besuch in Le Havre ist die Kirche St. Joseph (französisch: Église Saint-Joseph) eine der Sehenswürdigkeiten, die man sich unbedingt angucken sollte. Sie zählt zu den außergewöhnlichsten Gebäuden von Le Havre und ist die größte Nachkriegskirche Frankreichs.

Sie wurde ebenfalls von Auguste Perret entworfen und erinnert mit ihrem alles beherrschenden Turm an einen Leuchtturm mitten in der Stadt oder aber auch an das Empire State Building in New York. Der Turm ist 107 Meter hoch und von weitem in der Stadt sichtbar.

Machen Sie aber nicht den Fehler wie viele andere Touristen und gucken die Kirche nur von außen an. Gehen Sie rein und staunen Sie darüber wie die vielen kleinen, bunten Glasfenster das Gotteshaus in ein Kaleidoskop verzaubern.

Einer der größten Rathausplätze in ganz Europa

Rathausplatz in Le Havre
Rathausplatz in Le Havre - © Copyright: Marine26

Unweit der Kirche St. Joseph liegt das Rathaus von Le Havre (französisch: Hôtel de ville du Havre). Wie viele anderen Bauten in Le Havre wurden auch das Rathaus und der Rathausplatz von Perret entworfen.

Der Rathausplatz (französisch: Place de l'Hôtel de ville) ist mit seinen Ausmaßen von 200x 250 Metern einer der größten Plätze Europas und der größte Rathausplatz in Frankreich. Er nimmt die ganze Nordseite des Rathauses ein. Wie groß er ist, merkt man, wenn man ihn mit dem Rathausplatz in Paris vergleicht, der dagegen nur bescheidene 155 Meter lang und 82 Meter breit ist.

Bassin du Commerce

Ein schöner Ausgangspunkt für Erkundungen ist das Bassin du Commerce. Es liegt am Quai George V. und ist ein großer Kanal, der in der Innenstadt liegt und zum Spazieren einlädt.

Großer und kleiner Vulkan

Imagefilm über Le Havre veröffentlicht von "LeHavreTourisme"

In unmittelbarer Nähe zum Bassin du Commerce liegt das Kulturzentrum der Stadt. 1982 wurde es nach den Plänen Oscar Niemeyers fertiggestellt. Von außen erinnert es an zu kurz geratene Kühltürme eines Kraftwerks.

Im Volksmund werden beide auch gerne als großer Vulkan und kleiner Vulkan bezeichnet. Von außen sollte man es gesehen haben. Wenn man sich für Theater und Kino interessiert, dann auch von innen.

Le Havre – der zweitgrößte Hafen Frankreichs

Le Havre ist ein bedeutender Seehafen. Im Hafen von Le Havre werden 40% aller Erdöl-Importe und 60% des Containerverkehrs Frankreichs umgeschlagen. Tag und Nacht werden hier die größten Schiffe der Welt gelöscht. Mehr über die Bedeutung des Hafen von Le Havre erfahren Sie in unserem Artikel "Le Havre - Die Großstadt in der Normandie".

Der Hafen kann als Schiffsausflug besichtigt werden. Von Le Havre aus startet das Schiff "Ville du Havre II" zu einer Hafenrundfahrt. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter: www.visiteduport-lehavre.fr

Allerdings gibt es auch einen Bootsausflug von Honfleur aus, der auch durch den Hafen von Le Havre führt und den wir für empfehlenswerter halten. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel "Sehenswürdigkeiten in Honfleur".

Weitere Sehenswürdigkeiten in Le Havre und Umgebung

Die Kirche Notre-Dame (französisch: Cathédrale Notre-Dame du Havre) ist eines der wenigen historischen Gebäude von Le Havre. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und befindet sich in der Rue de Paris.

Docks Vauban sind einstige Lagerhallen für Baumwolle, Zucker und Kaffee. Heute befindet sich dort ein sehr gelungenes Einkaufszentrum.

Le Havre verfügt über einen Sand- und Kieselstrand, mehrere Schwimmbäder (das neueste ist das "Bains des Docks"), Kinos sowie ein Spielcasino.

Sehr zu empfehlen ist auch ein Besuch der Steilklippen bei Étretat und des schönen Hafenstädtchens Honfleur.

Von Le Havre mit dem Bus nach Honfleur

Wer von Le Havre aus Honfleur erkunden möchte, kann dies bequem mit dem Bus machen. Die Busse der Linie 20 der Betreibergesellschaft "BUS VERTS" fahren vom Busbahnhof in Le Havre ab und erreichen Honfleur in knapp 30 Minuten.

Die Linie 20 verkehrt darüber hinaus teilweise bis Caen und fährt dabei auch den schönen Badeort Deauville an.

Die Fahrt führt auch über die die berühmte Brücke bei Le Havre, den Pont de Normandie. Diese Brücke verbindet Le Havre mit Honfleur und ist ein architektonisches Meisterwerk.

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