Von David Schwingen, letzte Aktualisierung am 11.06.2019 um 12:45h

D-Day 1944 - Die Landung der Alliierten in der Normandie

Fährt man heute durch die Normandie sieht man atemberaubende Landschaften. Alles wirkt so harmonisch und friedlich und man kann gar nicht richtig glauben, dass in einer so wunderschönen Region vor 75 Jahren eine der größten Schlachten der Geschichte stattgefunden hat. Aber wie kam es zur Landung der Allierten und was bedeutete dies für den Zweiten Weltkrieg?

Spuren einer blutigen Schlacht: Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe sind die Gräber von mehr als 20.000 deutschen Soldaten
Spuren einer blutigen Schlacht: Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe sind die Gräber von mehr als 20.000 deutsche Soldaten - © Copyright: David Schwingen

Eines vorweg: Wir leben heute in Europa in Frieden. Wenn wir über die EU schimpfen oder uns über Dieselfahrverbote aufregen, dann sind das sprichwörtlich "Peanuts" zu den Ängsten und Sorgen, die die Menschen vor 75 Jahren hatten.

Die Landung der Alliierten - Ein Wendepunkt in der Geschichte

Rückwirkend betrachtet war die Landung der Alliierten (Alliierte = Soldaten aus 14 Nationen: U.a. aus USA, Großbritannien, Kanada, Polen, Frankreich) ein großer Wendepunkt in der Geschichte.

Video des Tourismusverbandes der Normandie: From the D-Day Beaches to the battle of the Hedgerows - Von den D-Day-Stränden bis zur Heckenschlacht

Es war der Beginn, der das Ende des Zweiten Weltkriegs einleutete, denn 11 Monate später, am 08. Mai 1945, kapitulierten die Nazis.

Als ich als Jugendlicher das erste Mal von der Landung der Alliierten in der Normandie hörte, stellte ich mir das völlig naiv so vor: Ein bis zwei Flugzeuge der Alliierten landen in der Normandie, circa 100 alliierte Soldaten steigen aus und kurze Zeit später ergeben sich die Soldaten der deutschen Wehrmacht kampflos.

Ich hatte keine Ahnung, dass der Begriff "Landung" nicht nur für Flugzeuge und Hubschrauber benutzt wird, sondern dass auch beispielsweise Schiffe anlanden können. Ich hatte aber auch keine Ahnung, was für eine blutige Schlacht hier ausgetragen wurde.

Meine Ahnungslosigkeit änderte sich schnell als wir das Thema dann im Geschichtsunterricht behandelten. Dennoch nahm ich den D-Day damals ziemlich regungslos auf. Mir fehlte die Kraft, sich das alles vorzustellen. Das änderte sich als ich im Jahr 2000 und in den Folgejahren die Normandie bereiste und mir diese Schauplätze des 2. Weltkrieges anschaute.

Wo ist der Unterschied zwischen "D-Day" und "Landung der Alliierten"?

Im deutschen Sprachgebrauch wird häufig die Bezeichnung "Landung der Alliierten" oder "Invasion der Alliierten" verwendet.

Den Begriff D-Day gibt es im englischsprachigen Raum schon sehr lange und er war ursprünglich nicht mit dem 6.6.1944 gekoppelt, sondern bezeichnet einen Stichtag für militärische Operationen. Daher wurde der Begriff D-Day auch schon im Ersten Weltkrieg verwendet.

Heute ist der Begriff "D-Day" aber fest mit dem 6. Juni 1944 verbunden und bezeichnet das Gleiche wie der deutsche Begriff "Landung der alliierten Soldaten in der Normandie". Die französische Formulierung lautet übrigens "Le débarquement de Normandie".

Wie kam es zum Zweiten Weltkrieg?

1933 wird Adolf Hitler in Deutschland nach gewonnen Wahlen Reichskanzler. Seine Partei, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), wird stärkste Partei. Kurz danach werden alle anderen Parteien verboten, so dass die NSDAP die einzige Partei ist. Innerhalb weniger Monate gelingt es Hitler in Deutschland die Demokratie (Weimarer Republik) abzuschaffen und eine autoritäre Diktatur (Drittes Reich) ins Leben zu rufen. Jeder, der nicht mit den Methoden der Nazis (Kurzform für Nationalsozialisten) einverstanden ist, muss Angst, um sein Leben haben.
Juden, Homosexuelle und Menschen mit Behinderung werden reihenweise in Konzentrationslagern umgebracht.

1939 greift Hitler Polen an und läutet damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs ein. Dies ist nur ein erster Schritt von Hitlers Plänen, denn er hat schon längst den Gedanken gefasst einen Krieg zu entfachen, um die "Schmach von Versailles" zu korrigieren und Deutschland als Weltmacht zu etablieren.

Die Normandie war Teil von Hitlers Atlantikwall

Im Juni 1940 greift Hitler Frankreich an und besetzt große Teile Frankreichs mit den Truppen der deutschen Wehrmacht. Von der Normandie, von Nordfrankreich und von Belgien aus plant Hitler im Rahmen der "Operation Seelöwe" England anzugreifen. Später werden diese Pläne wieder verworfen.

Allerdings sind die Küsten Frankreichs strategisch sehr wichtig für Hitler und die Verteidigung vor Angriffen der Engländer. Sie werden Teil seines Atlantikwalls, einer fast 2700 Kilometer langen Befestigungslinie, die sich von Norwegen über Frankreich bis hin zur spanischen Grenze erstreckt.

Somit waren auch die Küsten der Normandie im 2. Weltkrieg Teil des Atlantikwalls, den Hitler seit 1942 massiv verstärken ließ. Die deutschen Behörden rekrutierten Tausende von Männern: Freiwillige, Zwangsarbeiter, Juden, Flüchtlinge und Kriegsgefangene, um unter Hochdruck Befestigungsanlagen, Geschützstellungen und Bunker in der Normandie zu bauen.

Hitlers General, Erwin Rommel, befürchtete eine Invasion der Alliierten an den Stränden der Normandie. Dagegen glaubten große Teile der Wehrmacht, dass die Alliierten nicht an den Stränden der Normandie landen würden. Sie glaubten stattdessen, dass die Invasion in Calais, in der Region Hauts-de-France stattfinden würde, da Calais nur 40 Kilometer von der britischen Küste entfernt liegt. Untermauert wurde ihre Theorie dadurch, dass es bereits 1942 eine gescheiterte Invasion der Alliierten in der Normandie gegeben hatte.

Im Rahmen der Operation Jubilee hatten am 19. August 1942 die Alliierten versucht mit 240 Schiffen und 6000 Soldaten die Hafenstadt Dieppe zu befreien. Nachdem diese Operation für die Alliierten in einem Fiasko geendet war, ging die Wehrmacht nun davon aus, dass die Alliierten sich nicht noch mal auf eine Landung in der Normandie einlassen würden.

Operation Overlord und der D-Day

In den ersten Tagen nach dem D-Day (06.06) konnten die allierten Truppen, Panzer und andere Militärfahrzeuge als Nachschub an den Stränden der Normandie anlanden
In den ersten Tagen nach dem D-Day (06.06) konnten die Allierten Truppen, Panzer und andere Militärfahrzeuge als Nachschub an den Stränden der Normandie anlanden. - © Copyright: MIckStephenson (Wikimedia), Bildtitel: Landing ships putting cargo ashore on Omaha Beach, at low tide during the first days of the operation, mid-1944-06, Lizenz: gemeinfrei

Am 1. Dezember 1943 beschließen auf der "Konferenz von Teheran" der amerikanische Präsident, Franklin D. Roosevelt, der englische Premierminister, Winston Churchill und der sowjetische Staatschef, Josef Stalin, eine gemeinsame millitärische Operation, um Europa von der Herrschaft der Nazis zu befreien.

Die Planungen für diese militärische Operation trugen den Codenamen "Operation Overlord" und umfassten u.a. die Befreiung Paris von den Nazis und die Bildung einer Westfront. Der D-Day, der den Codenamen "Operation Neptune" trug, war als Landung der Alliierten nur ein kleiner Teil des großen Ganzen, der Operation Overlord.

In den Folgemonaten liefen dann - größtenteils in England - die Vorbereitungen auf Hochtouren: Es erfolgten verschiedene Aufklärungsoperationen, das Zusammenführen der Truppen, Invasiontrainings, Herstellen von Senkkästen aus Beton und schließlich die Überfahrt.

6. Juni 1944 – Die Landung der Alliierten in der Normandie

Geplant war die Landung der Alliierten für den 5. Juni 1944. Ein schwerer Sturm verhinderte diesen Plan aber.

Für den 6. Juni war eine Wetterbesserung vorhergesagt worden und so lief in der Dämmerung des 6.6 die gewaltigste Landungsoperation aller Zeiten an: Von der Küste Englands starteten an diesem Morgen fast 7.000 Kriegsschiffe und Landungsboote.

An Bord der Schiffe waren rund 130.000 Mann und 20.000 Fahrzeuge, über 11.000 Flugzeuge unterstützen die Invasion aus der Luft.

Ab 06:30h erreichten die Alliierten die Strände der Normandie.

Die Landungsstrände der Normandie

Übersichtskarte auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer über die Landungsstrände der Normandie
Übersichtskarte auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-mer über die Landungsstrände der Normandie - © Copyright: David Schwingen

Unter den Alliierten war aufgeteilt, welche Truppen, wo landen sollten. Die Landungsstrände der Normandie bestehen aus 5 Küstenabschnitten. Die britischen und französischen Truppen landeten an den Küstenabschnitten "Sword Beach" und "Gold Beach", die kanadischen Truppen am Küstenabschnitt "Juno Beach" und die amerikanischen Truppen an den Küstenabschnitten "Omaha Beach" und "Utah Beach".

An allen Stränden trafen die Alliierten auf den Widerstand der Deutschen, aber nirgendwo war der Widerstand so massiv wie an Omaha Beach. Teilweise hatten die alliierten Soldaten noch nicht den Strand erreicht, da wurden sie schon im Landungsboot von feindlichen Kugeln getötet.

Hein Severloh, ein deutscher Maschinengewehrschütze erlangte als "Bestie von Omaha Beach" traurige Berühmtheit, denn er feuerte am 06. Juni 1944 im "Widerstandsnest 62" insgesamt 12.000 Schuss auf amerikanische Soldaten ab und fügte ihnen damit schwere Verluste zu. In seinem Buch "WN 62 - Erinnerungen an Omaha Beach: Normandie, 6. Juni 1944 *" (Partnerlink zu Amazon) beschreibt Severloh schonungslos und ergreifend die dramatischen Stunden am Omaha Beach.

Insgesamt 20.000 amerikanische und deutsche Soldaten wurden am Omaha Beach verwundet oder getötet. Insgesamt mehr als 100.000 Soldaten sind auf den Soldatenfriedhöfen in der Normandie beerdigt.

Auf den Spuren des 2. Weltkriegs

Auch wenn die Normandie eine fantastische Landschaft hat, so sind die Spuren des Zweiten Weltkriegs hier deutlich sichtbarer als anderswo. Hier wird Geschichte lebendig und es gibt viel zu entdecken: Die deutsche Küstenbatterie in Longues-sur-Mer mit noch erhaltenen Kanonen, die Landungsstrände der Alliierten, den künstlichen Hafen von Arromanches-les-Bains und einige ansehnliche Museen und Ausstellungen. Dies alles stellen wir Ihnen im Artikel "Auf den Spuren des 2. Weltkriegs in der Normandie" vor.

Der D-Day heute - Ein großes Fest

Während der 6.6. in Deutschland gar keine bis kaum Erwähnung in den Medien findet, wird an zahlreichen Orten in der Normandie groß gefeiert. In vielen Orten sieht man Häuser und Autos, die mit den Fahnen der Alliierten verzierte sind. Es gibt Militärparaden mit ehemaligen Kriegsfahrzeugen und historisch nachgestellte Szenen.

In den vergangenen 75 Jahren sind zum Glück aus den ehemaligen Feinden (Deutschland und Frankreich) Freunde gewonnen. In der Normandie wird man als Deutscher nicht komisch angeguckt, sondern - teilweise sogar auf Deutsch - freundlich willkommen geheißen.

Ein Bericht zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten finden Sie hier.

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